JENNIFER SMITH

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REISEBERICHT VON JULIUS ACHERMANN

Nach zahlreichen Spendenaktionen und dem Organisieren von Charity-Abenden an unserer Schule, war es für einen Teil des AK´s Rusalya nun endlich an der Zeit, die Kinder in Bulgarien kennenlernen zu dürfen, die wir schon seit Längerem unterstützen. Begleitet von Frau Edmüller, Herr Brüning und Familie Kolev machten wir uns am Freitag in den Pfingstferien auf den Weg in das in seiner Vielfalt und Schönheit wohl unterschätzte Land im Osten Europas. Bevor es allerdings zur Schule im Zentrum  des Landes selbst ging, besuchten wir zunächst die Hauptstadt Sofia, wo wir zwei Nächte in bester Lage verbrachten. Vor Ort kamen wir dann auch gleich in den Genuss des sehr leckeren und üppigen, wenn auch nicht immer fettfreien Essens, was uns aber nicht davon abhielt, die Zeit für zahlreiche Besichtigungen zu nutzen. Von abendlichen Spaziergängen durch das Zentrum über einen geführten Stadtrundgang durch historisch bedeutsame Teile der Stadt bis hin zu einem Ausflug auf einen nahegelegenen Berg, von dem aus man über die ganze Stadt blicken konnte, war alles dabei.

Bereits viele Eindrücke in der Tasche, ging unsere Reise weiter. Auf dem Weg in Richtung Schule legten wir noch einmal einen Zwischenstopp in der trotz Größe charmanten Stadt Plovdiv ein, wo wir eine Nacht in einem Hotel untergebracht waren. Unmittelbar nach der Ankunft erhielten wir von einer Freundin der Familie Kolev eine kleine aber feine Stadtführung durch die entspannten Straßen der Stadt. Sie war für uns dabei das erste Vorbild, wie es klappen kann, aus benachteiligten Verhältnissen heraus, ein erfolgreiches Leben mit positiver Ausstrahlung zu führen. Sie selbst nämlich war einst ein Waisenkind, das sich aufgrund von Bildung und vor allem der Unterstützung der jetzigen Schulleiter in Rusalya, zu einer studierenden Frau mit gutem Job entwickeln konnte. Nachdem wir den Stadtkern erkundet haben, besuchten wir ein wunderschönes Museum zur Kultur und Geschichte der Region, ehe wir uns zu einem Aussichtspunkt über die Stadt aufmachten. Die Aussicht schien keine Schlechte zu sein, denn auch ein Brautpaar spazierte zur selben Zeit die steinernen Straßen hinauf, um den Ausblick zu genießen. Im Anschluss ging es dann gemütlich zum antiken Amphitheater – eines der Aushängeschilder der Stadt. Für uns als Gruppe, die an humanistischen Werten orientiert ist, war es interessant zu sehen, welchen Stellenwert die darstellende Kunst hier hatte und nach wie vor hat. Im uns bereits bekannten und allseits beliebten „Happy-Restaurant“ haben wir uns bei mehreren Gängen noch einmal gut gestärkt, bevor wir den Tag voller schöner Eindrücke bei einem Spaziergang durch den Stadtpark ausklingen ließen. In gemeinsamer Runde und mit kühlen Cocktails ausgestattet, reflektierten wir dort in einem Café den Tag in angenehmer Atmosphäre und fielen schlussendlich zufrieden in die Betten des Hotels.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Rusalya, allerdings legten wir erneut ein paar Zwischenstopps ein, da es auf dem Weg doch noch einiges zu sehen gab. Beispielsweise machten wir kurz Halt im Tal der Rosen am Fuße des Balkangebirges, oder aber auch bei einer antiken Grabstätte. Ebenfalls nicht entgehen ließen wir uns das sich auf dem Weg befindende Denkmal „Shipka“ auf 2000 Metern Höhe, das in der Geschichte der finale Schauplatz des osmanisch-russischen Kriegs und damit zwischen der muslimischen und christlichen Religion war. Sobald wir dann mit den Autos vor der Schule geparkt hatten, kamen uns schon freudige Kinder entgegen, die uns noch freudiger begrüßten und uns gleich herumführten, mit uns spielten und sich versuchten mit uns zu unterhalten. Es war ein unglaubliches Gefühl so offen und freundlich aufgenommen zu werden. Darauf waren wir jeden Tag bei den Kindern, haben Zeit mit ihnen verbracht und versucht uns sprachlich zu verständigen, was meist aber am besten im Spiel oder durch Gestik funktioniert hat. Oder aber, wie wir später festgestellt haben, durch die Musik. Als wir am Abend alle gemeinsam im Musikraum der Schule versammelt waren und zusammen die Europahymne angestimmt haben, fühlten wir uns über die sprachlichen Grenzen hinaus als eine Gemeinschaft.

Gut untergebracht im sogenannten „Öko-Hotel“ mit weiten Grünanlagen und eigenen Apartments ging der erste Tag vor Ort auch schon schnell wieder vorbei. Bereits am zweiten Tag nach unserer Ankunft in Rusalya besuchten wir die Kinder im Unterricht. Positiv überrascht von der Größe der Klassenräume beobachteten wir den Unterricht, wie auch wir ihn noch aus der Grundschule kennen: Die Bulgarischlehrerin machte mit den Kindern die gewöhnlichen Übungen wie ein Diktat und Lückentexte. Aufgefallen ist dabei, wie fokussiert die Kinder auf den Unterricht waren. Ganz anders als bei den ausgelassenen Spielen auf dem Pausenhof, bemerkte man das Interesse der Kinder am zu lernenden Stoff. Auch, wenn wir noch mehr Zeit mit den Kindern hätten verbringen können, haben wir die Gelegenheit genutzt, noch weitere Schätze der bulgarischen Kultur zu besichtigen. So besuchten wir am Nachmittag ein in den Bergen gelegenes Kloster, trafen die Kinder abends aber auf einem Volksfest im Nachbarort wieder, wohin diese mit den Betreuern einen Ausflug unternahmen.

Aufgrund der Nähe des Hotels zur unberührten Natur, wanderten wir am Mittwochvormittag durch einen spektakulären Canyon und machten dort Pause an einem noch viel schöneren Wasserfall. Am Nachmittag besuchten wir wieder die Schule und feierten zusammen ein Grillfest mit anschließender Musik und Tanz.  Mit einer mittlerweile innigen Verbindung zu den einzelnen Kindern, überlegten wir uns zurück im Hotel, wie wir eine Unterrichtsstunde für sie gestalten könnten. Als wir am nächsten und auch schon letzten Tag in der Schule eine Deutschstunde für die Kinder vorbereitet hatten, stießen wir auf große Begeisterung. Zwar haben wir ihnen nur leichte Sätze und Ausdrücke beigebracht, aber dafür warfen sich umso fröhlicher damit um sich. Bald nach unserer gemeinsamen Schulstunde mussten wir uns leider auch schon wieder verabschieden, was nicht nur uns, auch die Schüler und Mentoren des Internats ziemlich emotional stimmte. Jeder von uns hatte ein Bild von einem Schüler gemalt und überreicht bekommen und während wir wegfuhren, standen alle vor dem Schulgebäude und winkten uns nach. Am emotionalen Abschied haben wir bemerkt, dass die Kinder auch unser Engagement für dieses Projekt erkannt und wir durch die Begegnung mit ihnen auch nochmal die Wichtigkeit des Projekts aufgezeigt bekommen haben.

Am selben Nachmittag haben wir dann noch einen kurzen Ausflug nach Veliko Tarnovo gemacht, wo wir uns die gut erhaltene Festung der ehemaligen Hauptstadt Bulgariens angesehen haben.

Der krönende Abschluss der Reise war dann wohl noch der Stromausfall zu später Stunde auf der Hotelanlage, der uns bei Kerzenschein einen gemütlichen letzten Abend bescherte. Zum Glück gingen die Lichter nach einiger Zeit wieder an, so dass für den kommenden Tag gepackt werden konnte. Etwas müde ging es früh morgens schließlich mit den beiden Mietwägen, die uns im Übrigen immer zuverlässig und nicht zuletzt wegen den beiden souveränen Busfahrern sicher an unser Ziel brachten, wieder Richtung Sofia. Nach kurzem Halt an einer riesigen Höhle mit dem Namen „Die Augen Gottes“, erreichten wir den Flughafen in Sofia, mussten dort zwar erstmal vier Stunden Verspätung aussitzen, kamen dann nach einer abenteuerlichen Landung aber wieder gut zuhause an.

Wir blicken also zurück auf eine spannende, lehrreiche und erfüllte Woche, in der wir nicht nur die Kinder vor Ort, sondern auch uns selbst ein Stück weit besser kennenlernen durften. Es war in jedem Fall eine tolle Erfahrung und wir sind uns alle sehr stolz auf das, was wir bis jetzt erreicht haben und dass wir bereits helfen konnten. Wir freuen uns auf das was noch kommen wird.

Wir als AK bedanken uns sehr herzlich bei allen, die gespendet haben und uns anderweitig unterstützt haben. Sie haben den Kindern eine große Freude bereitet (und sind Teil des Projekts, diesen Kindern eine Perspektive zu geben.)

Schülerzeitung Wilhelmsgymnasium

Mai 2018

Klassenfahrt Arbeitskreis Rusalya zum Internat 'Dimiter Ekimov in Bulgarien

AKTUELLES

Verein für kulturelle Integration in Europa e.V.